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Allgemein

Lebensmittel Zeitung: Interview mit Dr. Stephan Fanderl

Herr Fanderl, welche Rolle sollen Lebensmittel künftig in der Karstadt-Konzeption spielen. Geht es um Frequenzbringer oder doch eher um typische Versorgungslösungen?
Es geht um etwas anderes: Karstadt wird wieder klassisches Warenhaus. Dazu gehört es, alles unter einem Dach anzubieten. Das umfasst an vielen Standorten auch ein optimal ins Warenhaus integriertes und preisattraktives Lebensmittelsortiment – sowohl für den kleinen als auch für den großen Einkauf. Um das zukünftig abzubilden, treiben wir aktuell die laufende Sanierung von Perfetto schnell und entschlossen voran. Im nächsten Schritt folgt dann ab Herbst ein deutschlandweites Rebranding in „Karstadt Lebensmittel“ mit unserem Partner Rewe. Außerdem modernisieren wir bis Ende des Jahres gut ein Viertel der Märkte, um sie noch attraktiver im Warenhaus darzustellen.

Standortbedingungen und Größen der Karstadt-Warenhäuser unterschieden sich. Wie differenziert müssen demzufolge Lebensmittelkonzepte sein?
Auch hierfür gibt es ein wichtiges strategisches Grundprinzip: die lokale Anpassung. Genauso wie beim Warenhaus haben wir bei Karstadt Feinkost flachere Strukturen eingeführt und können schneller auf lokalen Bedarf reagieren. Es gibt damit zwei Unterschiede zum alten Perfetto: Wir werden effizienter und differenzierter arbeiten. Dafür sind aber nicht nur Größen und Standortbedingungen wie das Wettbewerbsumfeld entscheidend, sondern vor allem auch, was unsere Kunden vor Ort wollen und kaufen. An Standorten wie München Bahnhofsplatz, Dresden oder Nürnberg entwickeln wir die Lebensmittel-Abteilungen mit hohem Erlebnischarakter und einem umfangreichen Feinkostsortiment sowie einem hohen Bedienanteil weiter. An anderen Standorten liegt der Fokus auf dem Angebot eines klassischen Supermarkts – auch mit Nonfood-Artikeln aus dem Bereich Waschen, Putzen und Reinigen. In allen Häusern wird die Weinabteilung ein Aushängeschild bleiben. Und wir entwickeln spezielle Services, etwa im Bereich Präsente und Geschenkkörbe, weiter. Zudem stärken wir überall den Sortimentsverbund mit den Warenhäusern, was sich speziell in den Bereichen Home und Küche anbietet.

Immer mehr Anbieter – nicht zuletzt Ihr Kooperationspartner Rewe – kombinieren Handelskonzepte mit gastronomischen Lösungen, um die Verweildauer zu erhöhen. Gilt das auch für Karstadt Lebensmittel?
Diese Kombination aus Lebensmitteleinzelhandel und Gastronomie ist kein neuer Trend. Allerdings steigt die Bedeutung dieser sogenannten ‚Third Places‘ erheblich. Bei Karstadt Lebensmittel integrieren wir seit längerem gastronomische Lösungen. Teilweise machen wir das selbst, teilweise mit Partnern. Allerdings gilt: Dieses Angebot muss sich rechnen. Und: Wir haben Luft nach oben. So arbeiten wir zum Beispiel an einer stärkeren Verbindung unseres Lebensmittelangebots mit unserer Warenhaus-Gastronomie LeBuffet.

Gastronomische Ansätze oder ein hoher Anteil an Bedientheken sind personal- und kostenintensiv. Kann Karstadt sich derartige Konzepte leisten?
Erlebnisorientierte Food-Abteilungen erfordern mehr Personaleinsatz als Supermärkte. Dort muss sich der Einsatz im Spannenmix bezahlt machen.

Müssen Lebensmittel-Abteilungen für sich Ergebnisbeiträge abliefern oder stellen Sie die Mischkalkulation des Warenhauses in den Vordergrund?
Natürlich erwarte ich, dass alle Unternehmensteile und -töchter ein positives Ergebnis abliefern. Es gibt keine Alternative zum Erfolg. Perfetto war ein Sanierungsfall, der zum Teil schmerzliche Einschnitte hinnehmen musste. Das ist notwendig, um mit der schnellen und erfolgreichen Sanierung von Karstadt mithalten zu können. Ich bin mir aber sicher, dass wir mit der neuen Ausrichtung eine gute Zukunft haben und erfolgreich sein werden.

Was hat beim Lebensmittelgeschäft den Vorrang: Nationale Konzepte und Sortimente oder lokale Kompetenz, beispielsweise durch selbstständige Einzelhändler, die stadtbekannt sind?Vorrang haben Kundenwünsche, die wirtschaftlich vernünftig abzubilden sind. Dazu gehören sowohl nationale Konzepte und Größenvorteile, als auch lokale Kompetenz mit Partnern oder eigenen Mitarbeitern und Sortimentsbestandteilen.

Signa ist an Eataly beteiligt. Welche Lösungen kann das Unternehmen für Karstadt-Warenhäuser bieten?
Jede Signa Retail-Gesellschaft muss für sich selbst profitabel arbeiten. Das Eataly-Konzept ist erfolgreich angelaufen und fährt nicht nur exzellente Zahlen ein, sondern wird auch sehr positivwahrgenommen – beispielsweise durch die Auszeichnung „Store of the Year 2016″, die der HDE uns verliehen hat, aber auch in vielen internationalen Presseveröffentlichungen. Natürlich ist es vorstellbar, dass in Einzelfällen Warenhäuser in geeigneten Städten als Standorte für Eataly-Elemente in Frage kommen. Aber am ersten Standort, in München, sind wir einen anderen Weg gegangen. Dort haben wir es als erster geschafft, in der Schrannenhalle, die lange als ‚unbespielbar‘ galt, erfolgreich zu sein. Für den Start braucht es einen Flagship-Store der die ganze Breite spielen kann.

Die Verträge mit Rewe laufen noch bis 2019. Gibt es grundsätzliche Überlegungen, neben den Kölnern auch mit weiteren Anbietern zu kooperieren, beispielsweise Edeka. Oder handelt es sich um Einzelfälle?
Überlegungen gibt es in einem modernen Einzelhandelsumfeld viele. Wichtig ist mir jetzt, welchen Weg wir gemeinsam mit der Rewe bei Karstadt Lebensmittel erfolgreich zurückgelegt haben. Unsere Partnerschaft mit Rewe wird übrigens bald auch im visuellen Erscheinungsbild von Karstadt Lebensmittel sichtbar werden.

Bleibt Rewe über das Jahr 2019 hinaus Ihr Partner für das Lebensmittel-Geschäft?
Das entscheiden wir mit unserem Partner Rewe, wenn es so weit ist.